Meine Frage der Woche

Hier finden Sie eine kleine Auswahl  an Fragen der Woche, die sich mir über die Zeit gestellt haben.  Manche lassen einen wochenlang  nicht los.  Manche beantwortet die Geschichte.  Und wieder andere tauchen immer wieder auf. 

 

November 2019

FSK seht für "Freiwillige Selbstkontrolle". Sie ist ein 1949 gegründetes Gremium der Filmwirtschaft, die  die Altersbegrenzung für Filme und andere Trägermedien festlegt. Jeder Film, der auf deutschen Leinwänden erscheint, hat eine FSK-Angabe. So auch der gerade in Deutschland angelaufen  amerikanische Film "The Report", ein  Doku-Drama über den Senatsmitarbeiter Daniel Jones, der den Bericht über die "erweiterten Verhörmethoden" der CIA schrieb und für seine Veröffentlichung kämpfte. Die FSK hat den Film  für ein Alter ab 12 (sic!) Jahren freigegeben. In dem Film sind - mehrfach - extrem verstörende Foltermethoden bis hin zur Folter mit Todesfolge zu sehen, die ich im Alter von 55 Jahren kaum ertragen konnte. Meine Frage: Wer sind die Mitarbeiter der FSK, die ihren Kindern im Alter von 12 oder 13 Jahren solche Folterszenen zumuten würden? 

 

 

September 2019

Ich lese selten Reportagen, ich kannte - vor dem Fälschungsskandal beim Spiegel weder den Hochstapler und Betrüger Claas Relotius noch dessen Widersacher Juan Moreno, der den vermeintlichen Spiegel-Starreporter entlarvt und einschließlich zweier Ressortleiter zur Strecke brachte. Darüber er jetzt ein Buch geschrieben und zieht nun seinerseits als Star durch die Lande. Das sei ihm sehr gegönnt, er hat ja viel riskiert. Nur: Auch er überhöht die Reportage als vermeintliche Königsdisziplin des Journalismus und damit sein eigenes Terrain (es gibt wahrlich noch andere, wichtigere journalistische Formate). Und er überhöht das Nachrichtenmagazin Spiegel, seinen Arbeitgeber. Genau diese Attitüde hat dazu geführt, dass die Fälscherei im Spiegel überhaupt eine Chance hatte. Um den Leser, der viele Ausgaben lang schlichtweg betrogen wurde ging es Relotius und geht es auch Moreno nicht. Er kommt mit keinem Wort vor. Muss das bei Reportern zwangsläufig so sein?

 

 

September 2019

 

AfD-Demagoge Björn Höcke  hat es in einem Interview mit dem ZDF zum Eklat gebracht. Er habe sich allzu sehr emotionalisiert gefühlt und wollte deshalb noch einmal von vorn beginnen. Es ging um die Ähnlichkeit seines Vokabulars zu hitler'scher Diktion.  Darauf haben sich die Kollegen des Senders nicht eingelassen. Das ganze wurde abgebrochen - und natürlich ins Netz gestellt. Der ZDF-Kollege wird als aufrechter Journalist gefeiert. Doch die Wirkung des ganzen Unterfangens ist trotzdem fatal: Höcke ist nicht als Nazi entlarvt, er hat vielmehr eine weitere Gelegenheit bekommen, sich als Opfer des Establishments zu stilisieren, was ihm noch Wähler in die Arme treibt. Das ist ein altbewährtes Muster. So jemanden wie Höcke sollte man erst gar nicht interviewen. Warum verstehen die Journalisten das nicht endlich? 

 

September 2019 

In zwei ostdeutschen Bundesländern hat mindestens jeder Vierte die AfD gewählt - und damit einen gährigen Haufen nationalromantischer bis rassistischer Politiker. Europa steht am Scheideweg und wird derzeit nur von Frankreichs Präsident mit - zugegebener Maßren sehr französischer Attitüde - vorangetrieben. In der CDU sind heftige Flügelkämpfe ausgebrochen. Die deutsche Volkswirtschaft steuert derzeit in einen Abschwung. Und was tut die Kanzlerin: Sie schweigt, schweigt, schweigt und schweigt. Staatspolitisch ist das unverantwortlich. Ist es da nicht naheliegend zu vermuten, dass sie nichts mehr zu sagen hat und längst abgetreten sein sollte? 

 

April 2019

Nun ist der Brexit ein weiteres mal verschoben. Und vor allem in Europa schüttelt man den Kopf darüber. Der eine ist verärgert, dem anderen reißt der Geduldsfaden, die Kommentare  der Medien sind voll von Überheblichkeit, Spott und Häme. Nur, weil sich in Großbritannien die Außen- mit der Innenpolitik auf höchst gerade auf höchst unglückliche Weise verknüpft und dadurch zur Handlungsunfähigkeit von Regierung und Parlament führt. Oder weil die Premierministerin vielleicht zu starr auf ihren Plänen beharrt. In solch eine verfahrene Lage kann heutzutage jedes Land geraten. Wer also hat das Recht, Großbritannien derart zu belächeln?  

 

März 2019 

Offiziell haben die Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank  begonnen und es kann gut sein, dass am Ende nur noch ein deutsches Institut übrig bleibt. Als ich 1995 in die  Finanzredaktion der Frankfurter Allgemeinen  wechselte und für die Berichterstattung über die Großbanken zuständig war, gab es derer noch fünf: die Bayerische Vereinsbank, die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, die Commerzbank, die Dresdner Bank und die Deutsche Bank. Nun sind sie fast alle verschwunden. Sang- und klanglos. Die einst  so stolze  Deutsche Bank ist im internationalen Vergleich ein Zwerg geworden. Können die Deutschen Banking nicht? 

 

 

 

Januar 2019


Zwischen Nachricht und Meinung wird im Journalismus immer weniger unterschieden. Das findet überall statt. Artikel - so das moderne Postulat - müssten mit einer bestimmten Haltung verfasst werden. Haltung - das klingt vornehmer, intellektueller als Meinung - bedeutet aber dasselbe. Durch den Text muss die Meinung des Autors zu einem Sachverhalt erkennbar werden. Wie funktioniert das handwerklich? Es wird eine These aufgestellt, der die Recherche unterworfen wird. Das bedeutet dann: Sagen, was ist. Reportagen sind dafür anfällig. Sie haben eine These. Weil Protagonisten nie hundertprozentig zur These passen, werden sie passend gemacht, in Extremfällen aus mehreren Personen zusammengebaut oder gleich ganz erfunden. Zur Not ist die Reportage dann „literarisch“ und preisgekrönt, hat aber mit Journalismus nichts zu tun. Mit einer Absage an den Thesen-Journalismus wäre schon viel gewonnen. Nicht „sagen, was ist“ - fragen, was ist. Wäre das nicht ehrlicher? 

Dezember 2018

Friedrich Merz ist verschwunden. Einfach abgetaucht, so unvermittelt, wie er kam, hat er sich wieder verdrückt. Dabei hatten wir doch alle ein bisschen darauf gesetzt, dass es mit ihm zumindest wieder unterhaltsamer würde in der Politik. Nichts dergleichen.  Sollte es das also schon gewesen sein? Kaum etwas spricht dagegen,  viel  dafür und verleitet zu der These, dass es Friedrich Merz nie ernsthaft daran gelegen war, ins Konrad Adenauer-Haus einzuziehen.  Die schlechte Vorbereitung, seine unpassenden Berater ohne politische Erfahrung, die verhaltene Rede, sein früher Abgang vom Parteitag zwei Stunden vor Schluss - agiert so einer, der unbedingt an die Parteispitze und dann ins Kanzleramt will?

 

September 2018

Zum Wochenende durfte man sich allerlei Beschimpfungen anhören. Außenminister Heiko Maas hat kräftig ausgeholt und uns allen Bequemlichkeit vorgeworfen, ein Dahinsiechen im Wachkoma oder die totale Gleichgültigkeit. Wir sollten mal vom Sofa hochkommen.  Er weiß offenbar sehr genau, dass uns die Vorfälle in Chemnitz und die unerträgliche Salonfähigkeit rechten Gedankenguts  kalt lassen.  Das tun sie nicht, Herr Maas! Und es gibt keinen Grund, das Gros der Bevölkerung dafür zu beschimpfen. 

Vielmehr wäre es sehr viel klüger, Maas  würde sich endlich mal damit beschäftigen, was die Berliner Politik zum unerträglichen Erstarken der Rechten  beigetragen hat. Beschimpft er mit seiner Tirade vom Sonntag also nicht eindeutig die Falschen? 

 

Juni 2018

Joachim Löw  darf  offenbar selbst entscheiden, ob er Bundestrainer bleibt oder nicht und nimmt sich Zeit. Derweil wagt es kaum einer deutlich auszusprechen: Joachim Löw sollte  jetzt gehen - nicht weil er ein schlechter Trainer wäre, sondern weil ein  Neuanfang  nun mal nur über neue Leute funktioniert. Auch in der Wirtschaft ist das so. Die Deutsche Bank etwa hat ihren  Neuanfang vor ein paar Jahren mit altem Personal organisiert. Und ist gescheitert. Erholt hat sie sich davon bis heute nicht.  Löw muss gehen uns sein Teammanager auch. Schon Löws  Ankündigung, dass er erstmal analysieren will, wie viel von dem Debakel auf seine Kappe geht, zeigt, dass er für die Zukunft der Falsche ist. Oder will der DFB wirklich den Fehler der Deutsche Bank wiederholen? 

 

 

. Januar 2018

Die auf 20 Prozent geschrumpfte SPD ist zerrissen wie nie. Jetzt zieht sie mit dem uncharismatischsten Parteichef seit Rudolph Scharping und auf Basis einer knappen Mehrheitsentscheidung in die Koalitionsverhandlungen. So viel kann sie aus diesen Verhandlungen gar nicht mehr herausholen, als dass sich auch die Skeptiker, geschweige denn auf Dauer die Wähler überzeugen ließen. Ein Trauerspiel zum Fremdschäden. Langsam frage ich mich: Wären Neuwahlen mit neuem Spitzenpersonal bei den beiden großen Parteien nicht doch die sauberere Lösung?

9. Januar 2018

"Fire and Fury" heißt das neue Buch über Donald Trump und das Treiben im Weißen Haus. "Feuer und Wut" - schon der Titel verspricht, was Michael Wolff, der Autor des Opus artig liefert: Süffigste Kolportage aus dem derzeit berühmtesten Irrenhaus der Welt. Was an den Schilderungen wahr ist und was nicht, spielt überhaupt keine Rolle, weil alles wahr sein könnte. Wir alle wussten, dass es in Washington derzeit wie im Tollhaus zugeht und ahnten bereits, dass Donald Trump auf dem Weg in die Demenz ist. Auch das haben vor Wolff schon Psychiater per Ferndiagnose vermutet. Zwei Fragen bleib nach der Lektüre: Was ist das für ein Land, das sich so einen Präsidenten leistet? Und: Warum handelt eigentlich niemand? 

 

 

 

8. November 2017

 

Der Schauspieler Kevin Spacey ist vernichtet. Diesen großartigen Leinwandkünstler und maliziösen Verführer wird es auf dem Schirm wohl nicht mehr geben.  Binnen einer Woche haben sich in Hollywood und wohl auch im Rest der Welt alle, die im Show-Business etwas zu sagen haben,  binnen einer Woche von ihm abgewandt. Wenn all das wahr ist, was ihm vorgeworfen wird, ist er an seiner Vernichtung selbst Schuld. 

Trotzdem bleiben Fragen: Haben nicht unzählige Produzenten und Schauspieler und Netflix jahrelang von seiner Genialität profitiert und wohl wissend in Kauf genommen, dass er offensichtlich fortdauernd Grenzen überschreitet. Wenn seit Jahren angeblich jeder um Promiskuität und Machtmissbrauch des Kevin Spacey wusste, warum hat dann nie jemand versucht, ihn vor sich selbst zu schützen? 

November 2017

 

1. November    2017

FDP-Chef Christian Lindner scheut Unkenrufe nicht. Jamaika könne auch scheitern, sagt er.  „Ich habe die FDP nicht zurück ins Parlament geführt, um in einer Regierung ohne eigene Akzente zu arbeiten." Oder: "Ich habe keine Angst vor Neuwahlen." Auch glaubt er nicht, dass die AfD von Neuwahlen profitiert. Woher er das weiß? 

Ich, ich, ich -  es wäre besser, der liebe Herr Lindner würde mal ein bisschen Testosteron ablassen, sich weniger auf sich konzentrieren und über Kompromisse nachdenken, die eben doch machbar sind. Manchmal fragt man sich, ob der Egozentriker Demokratie überhaupt verstanden hat. 

1. Oktober 2017

"Babylon Berlin" ist eine Serie, wie man sie im deutschen Fernsehen noch nicht gesehen hat. So bejubelt das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die ARD-Produktion, an deren Kosten sich auch der Bezahlsender Sky beteiligt hat. Nur: Man wird diese Serie auch erst einmal nicht im deutschen Fernsehen sehen. Sie läuft ab Oktober auf Sky - obwohl sie mit Gebühren deutscher Fernsehzuschauer in zweistelliger Millionenhöhe finanziert ist. Doch die Gebührenzahler müssen ein Jahr warten. Es sei denn, sie abonnieren Sky, um angeheizt von dem medialen Hype um die Serie gleich mit von der Partie zu sein. Dass sie dann für den Film doppelt zahlen, interessiert in der ARD niemanden. Arroganz der Macht. Das ist ist skandalös. N.b. Die Rundfunkgebühr ist eine ZWANGSABGABE! Warum regt sich darüber niemand so richtig auf?

 

26. September 2017

Das Lamento über die große Koalition war nie zu überhören. Sie schade der SPD als Volkspartei, weil sie sich in ihr nicht profilieren könne. Sie laste wie Mehltau auf  der Demokratie, weil im Parlament keine große Oppositionspartie  mehr der Regierung und Angela Merkel Paroli biete. Sie böte zu viel Spielraum an den Rändern des Parteienspektrums. Jetzt zieht die SPD die einzig richtige Konsequenz aus ihrer Wahlniederlage und verabschiedet sich in die Opposition. Und was tun Politiker und Hauptstadtjournalisten? Sie werfen ihre Verantwortungslosigkeit vor. Warum eigentlich? 

5. September 2017

 

Martin Schulz sind die Golffahrer näher als die Golfspieler.  Mit diesem einfältigen Wortspiel entzündet er ein keines mediales Strohfeuer. Jens Spahn hält Großstadt-Hipster für gefährliche Separatisten - weil sie nur Englisch sprechen und sich abschotten. Auch ihm gelingt ein mediales Strohfeuer. Beides hat wenig mit dem Lebensalltag umworbener Wähler zu tun. Die wenigsten spielen Golf oder würden sich zu den Hipstern zählen. Was also sollen diese Beiträge? Nehmen Schulz und Spahn die Wähler nicht ernst oder haben sie zu wirklich relevanten Themen nichts zu sagen? 

März 2016

 

Es ist wieder so weit. Die ersten Staffeln von Germany's next Topmodel sind bereits gelaufen. Junge Mädchen, die von der Welt noch keine Ahnung haben, werden - wie so oft - zu entwürdigenden Aktionen gezwungen. So hatte sich das Heidi Klum auch diesmal wieder lustvoll ausgedacht. Die Mädchen sollten zum Beispiel ihre Kinderkörper in aufreizenden Dessous präsentieren und dabei auch noch ein glückliches Gesicht machen. Taten sie aber nicht wirklich. Sie sahen bemitleidenswert erbärmlich aus. Aus Erfahrung weiß ich: Diese Sendung ist in ihrer Zielgruppe ausgesprochen wirkungsmächtig und deshalb gefährlich. Ich frage mich: Wann hört diese Fernsehhexe endlich auf? 

3. Januar 2016

 

Das Neue Jahr beginnt mit neuen Begegnungen. Einer Zahnärztin zum Beispiel, die mir erzählt, sie beschäftige jetzt einen aus Syrien geflüchteten Studenten der Zahnmedizin. Sie wolle ihn fit machen, um sich in den Flüchtlingsheimen um die Prophylaxe der Kinder zu kümmern. Wenn er soweit ist, nimmt sie den nächsten auf.  Oder mit einem Fernsehredakteur, der einen syrischen Flüchtling Heilig Abend eingeladen hat, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Oder mit einem Perser aus Hannover, der seine Mutter besucht hat und mir am Flughafen in Teheran erzählt, wie er sich für Flüchtlinge engagiert. Er findet, dass der Flüchtlingsstrom den Deutschen gut tut. Ich frage mich, ob das überwältigende Engagement für Flüchtlinge hierzulande in Angela Merkels Neujahrsansprache nicht viel zu kurz gekommen ist. 

6. November

Immer vorbildhaft erschienen die Schweden in der Flüchtlingsfrage. Kein anderes Land in Europa hat so viele Menschen aufgenommen. 190 000 Flüchtlinge werden erwartet. Schweden ist zwar ein großes Land. Zur Aufnahme von Flüchtlingen braucht man aber nicht nur Fläche, sondern vor allem Menschen. "Bleibt in Deutschland", fordert der schwedische Migrationsminister die Flüchtlinge unmissverständlich auf. Oder kehrt nach Dänemark zurück. Ist das die richtige Haltung, wenn Europa kaum eine andere Chance hat, als die Einwanderungswelle gemeinsam zu bewältigen?

20. Oktober

 

Angeblich ging es bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland nicht mit rechten Dingen zu. Im Zentrum steht der frühere Vorstandschef des Sportkonzerns Adidas. Schon länger wissen wir, dass VW im großen Umfang Abgaswerte manipuliert hat. Und die einstmals so solide Deutsche Bank kämpft mit ihrer jüngsten Vergangenheit, in der Kunden geprellt und Anleger betrogen wurden. Kann es sein, dass Deutschland wegen des Geschäftsgebarens seiner  Flagschiff-Unternehmen so langsam ein Imageproblem bekommt?  

7. Oktober

 

Europäische Unternehmen dürfen Daten ihrer Nutzer nicht mehr nach Amerika übermitteln.  So lautet das Urteil des Europäischen Gerichtshofs.  Denn in Amerika hat der Datenschutz keinen hohen Stellenwert. Es wird ewig dauern, bis ein entsprechendes Abkommen zum Datenschutz steht. Und Facebook, um die es eigentlich ging? Der Internet-Riese ist sich sicher: Es gibt viele Wege, Daten in die USA zu schaffen.  Wer will das alles überhaupt noch  kontrollieren? 

26. September 2015

 

Volkswagen in der Existenzkrise, Vorstandschef Winterkorn, der den Konzern zum weltgrößten Autobauer gemacht hat,  ist zurückgetreten - mit 68 Jahren. Wenn er von der Manipulation der Abgastest sgewusst hat, zu Recht. Wenn nicht, dann auch. Haben Aufsichtsräte nicht die Tendenz, viel zu lange an erfolgreichen Managern festzuhalten?

2. November

Am Berliner Bahnhof Zoo helfe ich Flüchtlingen, den Fahrkarten-Automaten zu bedienen. Sie wollen ein Ticket nach Nordrhein-Westfalen, um zu Verwandten in Bielefeld zu fahren,  sagen sie. Registriert seien sie noch nicht. Das dauert zu lange. Keine Behörde weiß derzeit, wer diese Menschen sind und wo sie sich künftig aufhalten oder bleiben werden. Sie sind kein Einzelfall. Kann das richtig sein, dass Zehntausende unregistrierter Flüchtlinge kommen und einfach wieder verschwinden, dass sie kreuz und quer durch Deutschland fahren auf der Suche nach einer Bleibe? 

 

1. Oktober

 

Berlin will Flüchtlinge in privatem Wohnraum unterbringen.  Die Eigentümer  erhalten 16 Euro  je Quadratmeter. Mieten in der Höhe - auf zehn Jahre garantiert - sind ein fantastisches Geschäft. Davon wollen jetzt viele Immobilienbesitzer profitieren.  Auch Banken stehen für die Finanzierung von Wohnungskäufen schon bereit, wenn darin Flüchtlinge untergebracht werden. Der nächste Boom wird kommen.  Kann das gut gehen, wenn der Staat auf diese Weise in den Markt eingreift? 

11. Oktober

Angela Merkel ist angeschlagen. Das Interview, dass sie im Fernsehen gegeben hat, offenbart vor allem eines: Sie kann die über den Flüchtlingszustrom besorgte Bevölkerung nicht beruhigen. Es mehren sich Stimmen, die mutmaßen, die Kanzlerin könnte die Flüchtlingskrise nicht überstehen. Eine politische Krise in der Flüchtlingskrise ist schon beängstigend genug. Viel bedrückender aber ist die Frage: Wer soll es eigentlich sonst machen? 

20. September 2015  

 

Deutschland hilft - das ist die Botschaft, die uns medial derzeit alle überrollt.  Aber stimmt das Bild, an dem sich die Öffentlichkeit berauscht? Blicken nicht viel mehr Menschen sorgenvoll auf die Entwicklung und trauen sich doch nichts zu sagen, weil der soziale Druck einer bestimmten moralischen Erwartungshaltung viel zu stark geworden ist? 

26. November 2015

 

Meine Frage des Tages: This is a man's world. 
In Russland herrscht Putin und rüstet auf. In der Türkei regiert Erdogan und würde sich am liebsten zum allmächtigen Präsidenten machen. In Syrien hält sich Assad, in Isreal schlägt Netanjahu feindliche Töne an, in Ungarn schließt Orbán die Grenzen und will Muslime nicht haben, in Frankreich redet Hollande vom Krieg, in Bayern benimmt sich Seehofer vollkommen daneben. Wie soll es mit diesen Männern Lösungen geben? Angela Merkel nimmt hier nicht nur wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingsfrage eine Sonderstellung ein, sondern auch als Frau. Hängt das eine mit dem anderen zusammen? Ich war nie ein ausgemachter Merkel-Fan, doch inzwischen halte ich die Frage für legitim, ob wir uns nicht glücklich schätzen können, dass Deutschland in diesen Zeiten von einer Frau regiert wird. 

12. März 2016

 

Das Thema der sozialen Ungleichheit hat wieder Konjunktur. Dem Spiegel ist es einen Titel wert. 2008 habe ich darüber ein Buch geschrieben. Weder an den Umständen noch an der Argumentation hat sich seither irgendetwas verändert. Sozialer Aufstieg scheint nach wie vor nahezu unmöglich, wenn man in bestimmte sozialen Milieus hineingeboren wird, in bestimmten Viertel aufwächst und bestimmte Schulen besucht. Mit mehr Umverteilung kommt man dem Problem nicht bei. Wie aber dann? Könnte es sein, man sich in postindustriellen, multi-ethnischen Gesellschaften mit dem Zustand wird abfinden müssen? 

 

Oktober 2016

 

Es läuft nicht gut für Angela Merkel. Die Union verzeichnet herbe Verluste bei den Landtagswahlen. Mehrheitlich wird ihrer Flüchtlungspolitik dafür die Schuld gegeben. Die quälende Debatte darüber, ob sie im nächsten Jahr zur Bundestagswahl noch einmal antritt oder nicht, ist voll entbrand. Um starken Nachwuchs in der Partei hat sie nicht nie gekümmert. Wäre es nicht besser, es gäbe auch in Deutschland eine Begrenzung der Amtszeit auf zwei oder - meinethalben - drei Legislaturperioden? 

Oktober 2016

 

Der historisch hässliche Wahlkampf  in den Vereinigten Staaten  scheint vielen Menschen den 

Abschied von Barack und Michelle Obama besonders zu erschweren. Millionenfach werden in den sozialen Medien Fotos und Videos veröffentlicht. Der jüngste Wahlkampf-Auftritt der First Lady mit ihrer starken Rede für Frauen nährt sogar die Hoffnung, dass sie in vier Jahren als Präsidentin ins Weiße Haus zurückkehrt. Nur: Acht lange Jahre hatte dieses medial eindrucksvolle, stets perfekt inszenierte Power-Couple Zeit, Amerika zum Besseren zu verändern. Stattdessen  hinterlassen sie ein gesellschaftlich tief  gespaltenes, hasserfülltes und moralisch erschüttertes Land, in dem sich Millionen Menschen um ihre Zukunft betrogen fühlen.  Hätten beide ihre Chance und Begabungen nicht viel besser nützen müssen? 

Februar 2017

 

Der Omnipräsenz des Martin Schulz ist nicht zu entkommen. Nur weiß man nicht genau, was jetzt eigentlich gilt: Angeblich hat er auf der Beliebtheitsskala der Politiker Angela Merkel hinter sich gelassen. Angeblich wird die Union langsam nervös. Andere Umfragen allerdings kommen zu ganz anderen Ergebnissen: Schulz habe ein Glaubwürdigkeitsproblem. Die Mehrheit der Bevölkerung sehe ihn nicht als künftigen Kanzler, sondern weiterhin Angela Merkel als Regierungschefin.  Wahrheit je nach Umfrage - wer würde nicht wissen wollen, wie es wirklich ist? 

August 2017

Martin Schulz sind die Golffahrer näher als die Golfspieler.  Mit diesem einfältigen Wortspiel entzündet er ein keines mediales Strohfeuer. Jens Spahn hält Großstadt-Hipster für gefährliche Separatisten - weil sie nur Englisch sprechen und sich abschotten. Auch ihm gelingt ein mediales Strohfeuer. Beides hat wenig mit dem Lebensalltag umworbener Wähler zu tun. Die wenigsten spielen Golf oder würden sich zu den Hipstern zählen. Was also sollen diese Beiträge? Nehmen Schulz und Spahn die Wähler nicht ernst oder haben sie zu wirklich relevanten Themen nichts zu sagen? 

© 2015 by Inge Kloepfer